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Niemand weiß etwas Es war später als drei als man sie fand. Glücklicherweise war sie schon tot, sonst wäre auch das eine weitere Enttäuschung in ihrem Leben gewesen. Sie hatte sich gewünscht, dass sie früher kamen. Sie hatte nur für einen Augenblick die Augen schließen wollen und war sich sicher gewesen, dass sie wieder geweckt werden würde. Sie hatte sich geirrt. Eine Frage hing in der abgestandenen Luft des Raumes: Warum? Sie wusste, dass diese Frage gestellt werden würde und zuerst dachte sie auch, dass sie sie beantworten konnte, aber als sie ihre letzten Zeilen noch einmal las, wurde es kalt in ihrem Herzen. Sie hatten sie nie nach dem Grund gefragt, obwohl sie doch so gerne erzählt hätte, wieso sollte sie sich ausgerechnet jetzt darum bemühen ihnen einen Gefallen zu tun? Und genau deshalb lag die einzige Antwort auf das „warum?“, die sie je gegeben hatte, verbrannt neben ihren eiskalten Händen. Kurz bevor sie die Augen geschlossen hatte, hatte sie sich diese Frage auch gestellt. „Warum?“ Warum ist es so weit gekommen? Warum ist niemand hier? Warum mache ich das? Warum bin ich alleine? Warum? Warum? Warum? Sie hatte nicht alle Antworten gefunden. Warum tat sie es? Weil sie keine andere Möglichkeit mehr sah. Der Schmerz war ihr einziger Freund in der Dunkelheit. Die Dunkelheit ihr Beschützer. Die Nacht ihre Vertraute. Sie alle waren es, die es ihr erlaubten, ihr Lächeln abzunehmen, die ihren Schreien lauschten und ihre Tränen sahen. Warum war sie alleine? Das war sie gar nicht. Alleinsein ist ein Ausdruck der räumlich gebraucht wird. Sie war nicht alleine. Nein, sie war einsam. Denn egal mit wie vielen Menschen sie ihr Haus, ihre Arbeit und ihr Leben teilte, so blieb sie doch immer einsam. Nie stellte jemand die richtigen Fragen. Nie sagte jemand das, was sie jetzt hören musste, um nicht wieder abzustürzen. Nie war jemand da, wenn sie es am Nötigsten brauchte. Aber sie konnte nicht beantworten, warum es denn so war. Wieso schaffte sie es überall die Einsamkeit zu finden? Wieso fand sie das Unglück so oft? Und warum der Schmerz? Sie wusste nicht ob sie anders war. Sie hatte sich oft gefragt, was sie falsch gemacht hatte. Waren es ihre Haare? Ihre Figur? Oder der Lippenstift? Waren es ihre Augen? Oder ihre Seele, die sie zu dem machte, was sie war? Was war es, dass sie so attraktiv für das Leid machte? Sie hatte oft geweint, geflucht und geschrieen. Sie hatte um sich geschlagen und war wütend geworden, aber es hatte nichts gebracht. Irgendwann war die Leere in ihren Geist eingezogen. Die Leere hatte alles Gefühl verdrängt. Irgendwann hatte sie nicht mehr gewusst, was sie fühlte. War sie fröhlich, traurig? Verzweifelt oder voller Lebensfreude? Sie konnte es nicht sagen, also kopierte sie die Ausdrücke der Menschen um sie herum. Sie lachte, wenn sie es für angebracht hielt und machte eine ernste Miene, wenn die anderen es auch taten, aber was sie selbst von dem ganzen hielt, das lag so tief in ihr verborgen, dass sie es nicht mehr herausholen konnte. Somit war auch ihr letzter Tag nichts, was sie mit einem Gefühl verbinden konnte. Sie war ruhig gewesen als sie morgens aufwachte und einfach wusste, dass heute etwas geschehen musste. Da war keinerlei Euphorie oder Angst. Da war weder Trauer noch Glück. Da war nichts. Nur Ruhe und Leere. Sie hatte nicht einmal die Tränen bemerkt, die ihr über die Wangen liefen, kurz bevor sie die Augen schloss. Sie hatte nichts mehr gemerkt. Sie war genauso geworden wie alle anderen auch. Sie hatte gelernt sich selbst zu ignorieren und nur noch eine Puppe in sich selbst gesehen. Sie hatte vergessen, was der Grund für ihre Trauer war und sie hatte vergessen, was sie einst glücklich gemacht hatte. Sie war ihre eigene Puppe geworden. Sie hatte sich selbst gekleidet und bemalt, doch wie auch ein kleines Mädchen nicht über das Innere ihrer Puppe nachdenkt, so hatte sie es auch nicht getan. Sie wusste nicht, was genau sie getan hatte. Sie wusste nicht, warum sie es getan hatte. Sie hatte nicht an die Konsequenzen gedacht. Sie hatte nicht daran gedacht, was wohl passieren würde, wenn sie sich irrte. Und jetzt war es zu spät. Niemand mehr wusste von ihrem Leid, niemand etwas von den stummen Schreien oder den Tränen, die in das Kissen gesunken waren. Niemand würde je erfahren, warum es passiert ist. Niemand, nicht einmal sie selbst.

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